Mittwoch, 18.07.2018

Thüringer in China

HORIZONT e.V. im Reich der Mitte

Thomas Rzepus war mit dabei, als eine Thüringer Delegation mit 50 Personen unter Führung des Ministers für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee vom 26.05.-02.06.2018 China besuchte. Von Frankfurt ging es nach Schanghai und im Anschluss weiter nach Guangzhou, Shenzhen und Hong-Kong. In 7 Tagen insgesamt 50 Termine für die Teilnehmer - Workshops, Symposien, Besichtigungen von Firmen (u.a. Huawei) und dem Hong-Kong Technologiepark, Gespräche in den deutschen Konsulaten - alles straff durchorganisiert und getaktet. Ziel der Reise war es, Kontakte zu knüpfen und neuen Input für die Thüringer Digitalisierungsstrategie zu sammeln, dessen Bestandteil auch das von Thomas Rzepus entwickelte Plattformprogramm sociallook-Helfen 4.0 ist. „Das deutsche Sozialwesen ist in Bezug auf die Digitalisierung noch ein blinder Fleck“ bemängelt Rzepus, „es ging darum neue Möglichkeiten zu erschließen. Der HORIZONT e.V. war übrigens in der Delegation das einzige Unternehmen aus dem Sozialwesen.“

Das soziale Umfeld in China ist im Gegensatz zu Deutschland ein gänzlich anderes. Für Thomas Rzepus stellt es sich in seiner Entwicklung einerseits flexibler und dynamischer dar weil Prozesse von oben herab schneller umgesetzt, dadurch aber auch stark kontrolliert und reglementiert werden. Der Staat als Schutzraum, der seine Bürger mittels Sammlung riesiger Datenmengen permanent überwacht, wobei niemand weiß, was mit den gesammelten Daten letztendlich passiert und wofür sie verwendet werden. Ein „Citizen-Score“ – vergleichbar mit einem Punktesystem für besonders angepasste und gesetzestreue Bürger – steuert das soziale Verhalten. Das hat im Hinblick auf sinkende Kriminalitätsraten vielleicht seine Berechtigung und auch in der deutschen Politik vernimmt man ab und an die Forderung nach mehr Überwachung. Man stelle sich jedoch vor, jemand würde hierzulande, wie in China mittlerweile üblich, mit Klarnamen, Foto und der Nennung seines Fehlverhaltens auf überdimensionalen Bildschirmen an den digitalen Pranger gestellt oder Schüler würden während der Stunde gefilmt, ihre Mimik analysiert und ausgewertet, um sicherzustellen, dass sie aufmerksam den Unterricht verfolgen. In Europa mit seinen strengen Datenschutzregelungen – Stichwort DSGVO – undenkbar. Deshalb hatte und hat auch bei der Entwicklung von sociallook der Schutz persönlicher Daten oberste Priorität.

„Während die chinesische Sichtweise im Hinblick auf die Dynamik und des Verständnis der technischen Möglichkeiten bereits viele Schritte weiter ist – „Made in China 2025“ soll als Marke einer weltweiten Innovationsführerschaft etabliert werden und China selbst will bis 2049 zur Weltwirtschaftskraft Nr. 1 aufsteigen – stehen wir im sozialen Bereich hierzulande erst am Beginn einer Entwicklung.“, so Thomas Rzepus. Das Smartphone ist im Reich der Mitte Personalausweis, Bezahlsystem und Lebensversicherung in einem. Natürlich macht man sich dahingehend auch ein Stück weit abhängig aber Rzepus geht es darum, den Menschen die Digitalisierung und ihren Mehrwert näherzubringen und diese im Interesse der Menschen zu nutzen. „Sociallook bildet die analoge Praxis des deutschen Sozialwesens mittlerweile digital ab, während der Chinese noch keine Architektur für seine Bürger vorhält“. Das kann und soll, im Gegensatz zu China, nicht von oben herab gesteuert, sondern fachlich reflektiert begleitet werden. Es bedarf einer neuen Verständnisebene für aktive Beeinflussung durch die Digitalisierung – sicherlich müssen die Probleme der Digitalisierung von Anfang an mitgedacht werden, doch für Thomas Rzepus stehen eher die Mehrwerte und Chancen im Vordergrund die die Digitalisierung mit sich bringt. Sie sollten seiner Meinung nach mehr genutzt werden, ohne sie im Hinblick auf die Schwierigkeiten von vornherein zu zerreden bzw. nicht zu machen. Auch hier bringt China eine andere Haltung mit. Probleme sind dazu da sie anzugehen und zu lösen. Sie sollten nicht der Grund sein, es nicht zu versuchen.

Was hat die weite Reise gebracht? Neben interessanten Gesprächen und Kontakten nach Fernost und in thüringische Unternehmen bzw. Hochschulen hat Thomas Rzepus ein besseres Verständnis für die Probleme und Möglichkeiten der Digitalisierung und die Unterschiede gegenüber Deutschland entwickelt. „Die Killertechnologie wird die künstliche Intelligenz (KI) sein“ ist Rzepus überzeugt, welche in den nächsten Jahren die Entwicklung exponentiell treiben wird. Es wird gerade an einer Implementierung von sociallook in China verhandelt, welche zu datenwissenschaftlicher Forschung im Sozialwesen beitragen würde. Zuarbeiten mit Empfehlungen der digitalen Transformation des Sozialwesens in Thüringen wurden dem Wirtschaftsminister zugearbeitet und sollen nun geprüft werden und mit der Integration von sociallook als soziale Dimension in „SMART City“ Ansätze von CISCO Amerika und dem Frauenhofer Institut wurden weitere Optionen und Netzwerke geschaffen, um nur einige zu nennen. Wir dürfen gespannt sein!

Render-Time: 0.380996